Zusammen sind wir unendlich

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Titel: Zusammen sind wir unendlich

AutorIn: Melissa Keil

Verlag: Carlsen

Band:

Seiten: 318

Erschienen: 2019

 

 

Sophia ist ein Mathegenie, ihre Welt besteht aus Variablen und Formeln. Mit sozialen Kompetenzen hat sie es dagegen nicht so. Auf den ersten Blick scheint sie für ihre Mitmenschen daher undurchdringlich, emotionslos und – arrogant. Doch wer Sophia richtig kennenlernt, findet heraus, was für ein liebenswerter Mensch sie ist. Das hochintelligente Mädchen lässt nur einen einzigen Menschen wirklich an sich heran, und das ist ihre beste (und einzige) Freundin Elsie. Doch das Verhältnis der beiden verschlechtert sich im Laufe des Buches immer mehr, weil Elsie plant, nach der Schule nach Amerika zu ziehen, um dort zu studieren. Für Sophia verschwindet damit ihr einziger Bezugspunkt zur Außenwelt, sie zieht sich immer mehr zurück. Und dann gibt es da noch Joshua, ein etwas verschrobener Mitschüler und Hobbymagier, der  schon seit einer halben Ewigkeit in Sophia verliebt ist. Eines Tages traut sich Josh und macht ihr eine Liebeserklärung, indem er ihr eine Spielkarte in die Tasche steckt. Doch Sophia weiß mit der Herz Zwei nichts anzufangen – was Josh Ehrgeiz herausfordert…

Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Erst einmal etwas zu den Charakteren: – Sophia und Joshua, Joshua und Sophia. Auf die Außenwelt wirken beide etwas nerdig, jeder auf seine/ihre eigene Weise. Doch im Gegensatz zu Sophia ist Joshua sehr emphatisch, er kann in ihr lesen wie in einem Buch. Außerdem ist er etwas schüchtern und hat einen Hang zur Romantik. Sophia hingegen verschwindet immer mehr in ihrer Welt der Mathematik. Sie ist ziemlich kompliziert zu verstehen und von vielen Ängsten geplagt, die sich immer wieder in Panikattacken äußern. Sophia kann nicht wirklich verstehen, wieso andere dieses oder jenes fühlen und kann ihre eigenen Emotionen auch nicht wirklich zeigen. Beide sind etwas tollpatschig und auf jeden Fall etwas ganz besonderes. Joshua war mir auf Anhieb sympathisch, bei Sophia war es etwas schwieriger, weil ich sie oft nicht wirklich verstanden habe. Trotzdem hat sie sich dann irgendwie in mein Herz geschlichen. Die beiden gewähren sehr tiefe Einblicke in ihre Gefühls- und Gedankenwelt.

Der Autorin ist es gelungen, sympathische, etwas schräge, einzigartige und faszinierende Charaktere zu erschaffen. Es hat mir sehr gut gefallen, dass beide Figuren überhaupt nicht klischeehaft waren, dadurch wirkten sie sehr realistisch. Durch die Ich- Perspektiven sah ich die Situationen aus zwei verschiedenen Sichten. Das fand ich unterhaltsam und gleichzeitig habe ich auch immer mehr über die Persönlichkeiten der beiden erfahren. Im Laufe der Geschichte lässt sich gut beobachten, wie sich die zarte Verliebtheit zu etwas Größerem, Bedeutenderem entwickelte.

Auch die Figuren verändern sich, wachsen über sich hinaus, vor allem in Sophias Fall. Sie leidet manchmal schon ziemlich und kämpft mit ihrer Art das Leben zu sehen. Doch im Laufe des Buches macht sie für sich selbst einen riesigen Entwicklungsschritt. Ich habe mich riesig über das Happy End gefreut.

Der Schreibstil ist gefühlvoll, tiefgründig und lebendig. Teilweise gibt es ziemlich witzige innere Monologe. Das Cover hat mich genau das Richtige – nämlich eine zarte Liebesgeschichte – erwarten lassen. Außerdem finde ich die schlichte Gestaltung sehr ansprechend. Noch ein kleiner Minuspunkt: Die Geschichte ging manchmal für meinen Geschmack ein bisschen schleppend voran.

Fazit: Eine wunderschöne Liebesgeschichte über Akzeptanz, Anderssein und Freundschaft. Ausgestattet mit sensiblen, lebensechten Charakteren, die man beim Lesen einfach ins Herz schließen muss – und mit einer tollen Botschaft: Jeder ist etwas Besonderes, und das ist toll!

Ich gebe dem Buch ⭐️⭐️⭐️⭐️ und empfehle es für Jungen und Mädchen ab 12 Jahren.

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