Die Muschelsammlerin – Deine Bestimmung wartet

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Titel: Die Muschelsammlerin –

Deine Bestimmung wartet

Autorin: Charlotte Richter

Verlag: Arena

Band:

Seiten: 425

Erschienen: 2019

 

Die 18-jährige Mariel hatte schon immer eine Vorliebe für Sachen, die in ihrer Heimat als hässlich oder sonderbar bezeichnet werden. Und trotzdem vertraut sie darauf, am Tag der Verbindung wie jeder andere ihren zukünftigen Partner zu finden, von dem sie nun schon so oft geträumt hat. Doch als es dann so weit ist, erwartet sie eine böse Überraschung: Ihr Seelenpartner aus der Spiegelwelt ist nicht gekommen. Das heißt, dass sie die Insel und ihre Familie für immer verlassen muss. Zusammen mit den anderen „Sonderlingen“ wird sie auf die Gefängnisinsel Xerax gebracht, wo alles genau das Gegenteil von Amlon ist. Es ist grau, langweilig und sie muss bis ans Ende ihres Lebens schuften. Dort findet sie Freunde, aber ihr ist klar, dass sie dort nicht bleiben können. Also wagt sie mit Sander, Tora und ihrem besten Freund Tammo die gefährliche Reise nach Nurnen, von der bisher nur wenige zurückgekehrt sind, um ihre Partner selbst zu finden und nach Amlon zurückkehren zu können. Doch unterwegs verliebt sie sich, und das könnte in Nurnen tödlich enden…

In dem Buch geht es um vier verschiedene Welten, die nebeneinander existieren und die ich Euch hier noch einmal ein bisschen genauer beschreiben möchte:

AMLON: Mariel lebt zu Beginn der Geschichte auf der Insel Amlon. Dort ist alles perfekt: Das Meer ist wunderschön türkis, es gibt tolle Strände, stets weht eine warme Brise und die Menschen müssen nicht arbeiten – sie leben von Luft und Liebe. Am Tag der Verbindung kommt ihr perfekter Partner, der genau zu ihnen passt, aus einem Portal der Spiegelwelt. Alles ist perfekt. Aber genau das ist der Haken – denn die Bewohner von Amlon mögen keine Leute und Gegenstände, die nicht in ihr perfektes Leben passen, die anders sind, sonderbar, die aus der Reihe tanzen… und die zweifeln. An ihren Göttern, ihren Traditionen. Und genau so eine Person ist Mariel.

XERAX: Das ist die Insel, auf der die Ausgestoßenen, die „Sonderlinge“, leben. Sie müssen den ganzen Tag arbeiten und ernähren sich von Getreidebrei. Auf Xerax ist alles grau und langweilig.

NURNEN: Aus dieser Welt kommen die „Spiegelseelen“ am Tag der Verbindung durch ein Portal nach Amlon, und dorthin bricht Mariel auf, um selbst nach ihrem Seelenpartner zu suchen. Das Reich der Träume ist völlig abgedreht. Alles, was passiert, kommt eigentlich aus dem Inneren der Helden. Gruselig, aber echt toll beschrieben!

Die AUßENWELT: Alles was abseits von der Inselgruppe, zu der auch Amlon gehört, liegt.

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Die Welten haben keinen Bezug zu der Realität, außer, dass die Wesen menschlich sind. Sie sind aber sehr schön beschrieben, ich konnte mir alles sehr gut vorstellen. Nurnen war nicht ganz so detailreich beschrieben, aber ich finde, dass das gut zur Geschichte passt. In Nurnen lauern auch viele überraschende Wendungen. Ich habe mich manchmal sogar ein bisschen gegruselt. Diese Spiegelwelt hat mich ein bisschen an die Welt aus „Alice im Wunderland“ erinnert. Skurril und unvorhersehbar.

Mit der Zeit werden die Freunde immer enger zusammengeschweißt und  müssen sich ihren größten Ängsten stellen. Alle Figuren werden mutiger und entwickeln sich weiter. Auf ihrer gefährlichen Reise wird schnell klar, dass die Götter und die alten Werte nicht die Rettung bringen. Die vier müssen Fantasie und Selbstvertrauen beweisen, Ängste zulassen und überwinden, denn nur wer an sich selbst glaubt, kann diese Reise überleben. Die Protagonisten ergeben sich nicht einfach ihrem Schicksal, sondern kämpfen dafür, dass sie etwas Besseres verdienen und das jeder etwas Besseres verdient. Sie zweifeln die Götter und Priester an und gehen all dem auf den Grund was ihnen nicht ganz einsichtig erscheint.

Die Hauptfigur, Mariel, hat zu Beginn kaum Freunde und eckt mit ihrer Art ziemlich an. Sie ist clever und glaubt nicht alles, was man ihr sagt. Sie bildet sich stets ihre eigene Meinung und ist auch ein bisschen misstrauisch. Auf ihrer Reise entwickelt sie sich von einer kleinen Träumerin, die manchmal auf Abwege gerät, zu einer mutigen und cleveren jungen Frau, die der Gesellschaft die Stirn bietet und schließlich ein großes Geheimnis aufdeckt. Das war eine von vielen ziemlich überraschenden Wendungen. Die Handlung war die meiste Zeit total unvorhersehbar, ich wusste nicht, was als nächstes geschehen würde. Das hat die Autorin super hingekriegt. Das Ende fand ich auch echt megaschön, ich konnte mich nur schwer von den Protagonisten trennen. Mir gefällt außerdem die Message, die das Buch vermittelt.

Die Autorin hat einen tollen und sehr poetischen Schreibstil. Sie beschreibt alles sehr anschaulich und fesselnd, aber man kommt trotzdem gut mit.

Dann noch ein paar Worte zum Cover: Es hat mir auf Anhieb gefallen, denn es ist megaschön gestaltet, und auf jeden Fall ein Hingucker im Bücherregal. Die Schrift ist erhaben und glitzert golden. Fast sieht es so aus (und fühlt sich so an), als habe jemand sie mit goldenem Sand darauf gestreut. Das Mädchen sieht total perfekt aus,

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ein bisschen schade fand ich, dass ihr Gesichtsausdruck so teilnahmslos ist (so kommt es mir jedenfalls vor). Nimmt man den Schutzumschlag ab, ist das Buch total schlicht. Das hat mich auch ein bisschen überrascht.

Fazit: Ich fand das Buch sehr schön, es hatte einige großartige Wendungen und es war überraschend, spannend, verzaubernd, romantisch. Das Buch ermutigt seine Leserinnen (und Leser) ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen.

Ich gebe dem Buch ⭐️⭐️⭐️⭐️ und einen halben ⭐️ und empfehle es Mädchen ab 12 Jahren.

 

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